Willkommen, Gast!   de
Reiseberichte & Reportagen  
  • Startseite
  • Informationen
  • Kommunikation
  • Galerie
  • Benutzer
  • Statistik

Ranch el Manar – Tunesien

Seite drucken Als PDF exportieren
  • Vorherige Seite
  • 1
  • 2
  • 3
  • Nächste Seite

Ranch el Manar – so lässt es sich gut leben…

… auf dem Rücken eines Berberhengstes, Tränen in den Augen vom Gegenwind beim Galoppieren, Sand unter den Hufen und einfach eine wunderbar überblickbare Weite begleitet vom Meeresrauschen und herrlich angenehmen Temperaturen. Solche Tage auf der Ranch el Manar in Tunesien sollten niemals enden. So lässt es sich gut leben.

 Wir freuten uns schon lange darauf, der kalten Schweiz den Rücken zu zukehren. Mit der Ranchbesitzerin Frau Arja Dubach hatte ich frühzeitig Kontakt aufgenommen, um die Reservationen für uns alle vorzunehmen. Die Tatsache, dass Frau Dubach in der Schweiz wohnhaft ist, erleichterte mir die Abklärungen im Vorfeld der Reise natürlich sehr. Frau Dubach ist die Drehscheibe in der Schweiz und ihr Mann Aymen der Ansprechpartner in Tunesien. Beide sprechen Deutsch und die Kommunikation zwischen mit den beiden klappt wie am Schnürchen.

 Im November war es dann endlich so weit. Die Flugzeit war angenehm kurz und die Hektik des Flughafengetümmels auf beiden Kontinenten (?) bereits schon vergessen, als uns Aymen vor Ort freundlich in Empfang nahm. Bald waren alle Gepäckstücke im Kofferraum verschwunden und wir fuhren zu unserem Haus in Zarzis.

 Ein gemütliches Anwesen mit liebevoll eingerichteten Zimmern war unser zu Hause für eine ganze Woche und entwickelte sich zu unserer Wohlfühloase. Die Köchin war ein wahres Genie und beherrschte ihr Handwerk – was daran gemessen werden konnte, dass die leckeren Mahlzeiten immer im Nu von den Tellern gefegt wurden. Am Abend wurde die Wasserpfeife extra für uns vorbereitet und wir genossen jeden dampfenden Zug in unserer gemütlichen Runde. Die fürsorgliche Art von Aymen und seinen Angestellten war bewundernswert. Alles ist möglich – kein Wunsch blieb unerfüllt.

 Am nächsten ersten Tag hiess es dann – auf zur Ranch. Fiebrig warteten wir darauf, die Pferde zu sehen und der kurze und holprige Autotransfer über die Landstrassen zu den Stallungen, welcher nur ein paar Minuten dauerte, war beim ersten Anblick der edlen Tiere sofort vergessen. Mein Mann und ich waren bereits im Vorjahr hier und haben die Tiere sehr schnell ins Herz geschlossen. Auch Selma, – die Rottweilerhündin, war wieder vor Ort und begrüsste uns mit ihrer sanftmütigen und ruhigen Art.

 Der Ride-Guide erkundigte sich freundlich nach unserer Reiterfahrung und Vorlieben was das Temperament der Pferde anbelangte. Bald war festgelegt, welcher Reiter zu welchem Pferd passte. Wir liessen uns auch hier verwöhnen – denn die Pferde wurden für uns geputzt und gesattelt. Nicht, dass wir uns zu gut dafür gewesen wären – aber da der grösste Teil unseres Trupps hat selbst ein Pferd zu Hause hat und kennt die dazugehörenden Arbeiten kennt, – also genossen wir es alle sichtlich, dass dieser Teil durch jemanden anderen verrichten wurde.

 Und dann ging es los. Das Herz jedes Reiters schlägt wahrscheinlich in der ersten Minute auf dem Ausritt schon höher, wenn er den weichen Sand unter den Hufen seines Pferdes spürt, da wir leider in der Schweiz mehr auf Asphalt und Kieswegen als auf Wiesen reitenaufweisen. Unsere Reittouren führten uns meist am Strand entlang und durch Olivenhaine. Wobei wir auch kleine und landestypische Dörfchen passierten, wo wir stets einen Halt für einen echten tunesischen Kaffee einlegten. Es kam mir fast vor, als ob unser einheimischer Reitbegleiter uns jeden Wunsch von den Augen ablesen konnte. Einmal besorgte er uns gleich vom Kaffeehaus aus frische Datteln von einem Bauern – ein Leckerbissen, der uns das Kaffeetrinken noch ein Stück mehr versüsste.

 Nach der Pause hiess es dann wieder aufsitzen und Richtung Strand reiten. Was gibt es schöneres, als mit dem Pferd dem Meer entlang zu reiten. Oder sagen wir – fliegen. Denn in Strandnähe gab es immer die Möglichkeit, die schnellste Gangart dieser temperamentvollen Tiere auszukosten. Und schnell ist hier wirklich schnell. Wenn man das Gefühl bekommt, dass die Hufte kaum mehr den Boden berühren, dann beginnt man zu weinen – nicht aus Trauer – nein - es ist das Glücksgefühl, dass sich entwickelt bei diesem Tempo und der Gegendwind, der dDir das Wasser in die Augen treibt. Trotz ihres Temperaments sind die Pferde gut kontrollierbar und sind – wie sagen wir es umgangssprachlich – sauber im Kopf. Sattelfestigkeit in allen Gangarten ist ein Muss. Ängstliche Reitanfänger werden wahrscheinlich bald auf solchen Pferden überfordert sein. Ich selbst liebe das Temperament, die Eleganz und Zähigkeit dieser Pferderasse. Man nannte mich Tempojunkiey obwohl ich zu Hause eher die vorsichtige und vorausschauende Reiterin bin. Doch hier in Tunesien werden die Reitwege nicht wie in der Schweiz von riesigen und lärmenden Kornmähdreschern gekreuzt oder Traktoren mit Anhängern an denen ein Vorbeikommen rein aus Platzgründen fast unmöglich ist. Nein – hier sieht man bis zum Horizont – und wenn der Endorphinpegel durch den letzten Galopp stark erhöht ist – auch über den Horizont hinaus.

 Glücklich unds zufrieden kamen wir jeden Tag von unseren Ausritten nach Hause. Schnell eine Dusche und dann kam der gemütliche Teil. Liebevoll bereitete unsere Köchin das Essen vor und wir schätzen die Tatsache, dass wir endlich mal alle Zeit der Welt hatten, um das hervorragende Mahl zu verspeisen. Keine Hektik, keine Termine. Es ging nicht lange und wir hielten uns den Bauch vor Lachen. Unsere illustre Runde war ein bunt zusammen gewürfeltes Völkchen aus allen Berufssparten. Gerade diese Mischung war höchst amüsant. So mancher unverhoffte kecke Spruch war Zünd- und Treibstoff für die nächste Lachattacke.

 

Nebst den Ausritten spazierten wir am Strand entlang und genossen das milde Klima. Nach vielen kalten und nebligen Tagen in der Schweiz war dies natürlich eine willkommene Abwechslung. Auch die Erholung kam nicht zu kurz. Einfach zwischen durch nur Faulenzen und auf der Sonnenterrasse Bücher zu verschlingen, das sind Ferien, wie wir es uns vorgestellt haben. Der Besuch des einheimischen Marktes in Zarzis war ebenfalls ein eindrückliches Erlebnis. Ein buntes Treiben erwartete uns. Ein mannigfaltiges Angebot an Waren wurde feilgeboten und die Verkäufer stellten ihr orientalischer Verkaufsgeschick unter Beweis, wobei sich doch der eine und andere etwas im Preis zu seinen Gunsten vertan hat. Feilschen ist hier keine Schande, sondern ein Muss.

 So vergingen die Tage wie im Fluge. Viel zu schnell ging die Zeit um, viel zu bald hiess es wieder die Koffer zu packen. Doch alle waren wir uns einig, wir haben jeden Tag, ja jede Stunde ausgekostet. Unser Betriebsakku war wieder aufgeladen, die Zufriedenheit konnte man uns vom Gesicht lesen. Eine Woche Aufenthalt ist zwar kurz, aber schlussendlich entscheidet nicht die Länge des Aufenthaltes über den Erholungsfaktor sondern dessen Qualität. Die Gastfreundschaft unserer tunesischen Ranchbesitzer macht einfach süchtig.

 Eines ist gewiss – wir werden wieder kommen.

Christina Bünter aus der Schweiz

06.01.2010, 11:30 von admindf | 412 Aufrufe
Bewertung: 1 2 3 4 5
Impressum | Nutzungsbedingungen